Finanzberatung 2015: ETFs oder aktiv gemanagte Fonds?

Obwohl mittlerweile auch Privatkunden bestmöglichen Zugriff auf Finanzprodukte genießen können, deren Handel sie in ihre eigenen Hände nehmen können, ziehen viele Anleger nach wie vor die Dienste eines Finanzberaters vor. Dabei müssen potenzielle Kunden allerdings unterscheiden zwischen Honorar- und Provisionsberatern und darüber hinaus die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Unternehmen erkennen. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, welche Finanzberater ihren Kunden ETFs empfehlen und welche nach wie vor auf aktiv gemanagte Fonds vertrauen.

Wie funktionierte diese Studie?

Die Zeitschrift „portfolio international“ hat in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung „MC4MS“ eine Studie mit dem Titel „Finanzberatung 2015 – ETF oder aktive Fonds?“ ins Leben gerufen, bei welcher 350 Finanzberater zur Rolle und zum Einsatz von ETFs im Rahmen ihrer Beratung befragt wurden. Diese 350 Berater wurden zunächst in verschiedene Rubriken unterteilt, nämlich in die Art des Finanzdienstleisters, das Gebührenmodell und zusätzlich in verschiedene Bereiche, die ausschließlich auf Banken und Sparkassen ausgelegt waren. Wie viele der Berater welchen Rubriken angehört haben, verrät diese Übersicht:

Art des Finanzdienstleisters
Bank/Sparkasse50 Prozent
Freier Finanzdienstleister21 Prozent
Unabhängiger Vermögensverwalter7 Prozent
Honorarberater (bankenunabhängig)7 Prozent
Versicherung5 Prozent
Sonstige10 Prozent
Wenn Auswahl Bank/Sparkasse
Private Geschäftsbank39 Prozent
Sparkasse/S-Verbund41 Prozent
VR-Bank/VR-Verbund20 Prozent
Kunden-Gebührenmodell
Beratung gegen Provisionen50 Prozent
Mandatsmodell zzgl. Rückvergütung12 Prozent
Mandatsmodell ohne Rückvergütung16 Prozent
Honorarberatung12 Prozent
Sonstige11 Prozent

 

Dementsprechend setzte sich die Hälfte der befragten Finanzberater aus Mitarbeitern von Banken und Sparkassen zusammen, die ihre Kunden gegen Provision beraten. Der Rest setzt sich aus vielen verschiedenen Randgruppen zusammen, die ebenfalls ihren Teil zur Studie beitragen konnten.

In der Studie selbst wurden nun die 350 Finanzberater aus Deutschland zum Thema ETFs befragt. Dabei wurde der Einsatz von ETFs bei Kunden analysiert, Vergleiche mit der Nutzung aktiver Fonds und der Kombination beider Produkte wurden gezogen und auch die Auswahlkriterien bei ETF-Produktanbietern wurden genau unter die Lupe genommen. In der Detailanalyse spielten indes folgende Themenbereiche eine wichtige Rolle:

  • Wissen & Einstellung
  • Produktsicht
  • Kundensicht
  • Vertriebssicht
  • Markt-/Wettbewerbssicht
Die Studie behandelt die Stellung von Finanzberatern zu ETFs

Im Rahmen dieser Studie wurden Finanzberater zum Thema ETFs befragt

Welche Ergebnisse hat die Studie hervorgebracht?

Im Rahmen der Studie konnte festgehalten werden, dass sich schon die Art, ein Beratungsgespräch in Bezug auf ETFs zu führen, zwischen Honorarberatern und Provisionsberatern erheblich unterscheidet. Diesbezüglich wurde nämlich festgehalten, dass etwa drei Viertel der Honorarberater das Thema ETFs aktiv ansprechen, während nur rund die Hälfte der Provisionsberater dabei auf die Exchange Traded Funds eingeht.

Weitere Unterschiede werden deutlich, wenn man die Arbeitgeber der Berater untersucht: Die meisten Berater, die bei Banken, Sparkassen und bei freien Vertrieben arbeiten, halten ETFs für geeignete Instrumente für Privatanleger, während im gesamten deutschen Beratermarkt die aktiv gemanagten Fonds vorgezogen werden. Zumindest geben jedoch 70 Prozent der Beratertypen an, dass ETFs für Privatkunden „geeignet“ sind, während ein knappes Fünftel der Befragten sogar der Meinung ist, dass ETFs automatisch im Renditevorteil sein. Zwei Drittel der Finanzberater machen indes das Anlagesegment und den Zeithorizont des Anlegers für den Erfolg oder Misserfolg von ETF-Investments verantwortlich.

Die Studie aus 2008 im Vergleich

Während 2008 kein einziger Honorarberater aktive Fonds favorisiert hatte, ziehen heute ganze 19 Prozent der Dienstleister die aktiv gemanagten Fonds den ETFs vor. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Honorarberater, die beide Fondskategorien als gleich gut bewerten, im gleichen Zeitraum auf 52 Prozent mehr als verdoppelt. Da die ETF-Kosten samt Vertriebsvergütung laut den Studienautoren nach wie vor ein wichtiges Kriterium der Beraterempfehlung darstellen, ist diese Tatsache als recht erstaunlich zu bewerten. Indes hat die Studie gezeigt, dass die ETF-Empfehlungsbereitschaft bei freien Vermittlern, Sparkassen- und anderen Bankberatern deutlich niedriger liegt. 50 Prozent der Provisionsberater favorisieren dabei zu 50 Prozent die aktiv gemanagten Fonds – im Vergleich zu 2008 ein Anstieg um zehn Prozentpunkte. Um sechs Prozentpunkte ist indes der Anteil der Berater gesunken, die ETFs ihren Kunden empfehlen würden – nur noch 13 Prozent der Provisionsberater sprechen sich demnach offen für ETFs aus.

Gründe für die Entscheidungen der Berater

Scheut ein Berater die Empfehlung für ETFs, ist meist die unattraktive Vergütung daran schuld: Über 50 Prozent der Provisionsberater sehen davon ab, ihren Kunden ETFs zu empfehlen, während unter den Honorarberatern knapp 70 Prozent ihren Kunden die ETFs empfehlen würden. Darüber hinaus gehören 29 Prozent der Honorarberater zu den Befürwortern von ETFs – zumindest „im Zweifel“. Darüber hinaus spielen gerade bei der Auswahl konkreter ETFs die Gesamtkosten eine große Rolle: Für 48 Prozent der Befragten gilt dieser Punkt als „sehr wichtig“ und weitere 36 Prozent geben an, dass die Gesamtkosten zumindest „wichtig“ seien. Auch das Handelsvolumen ist für 81 Prozent der Befragten zumindest „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“, weshalb die Berater in erster Linie aus Aktienindizes setzen – sowohl auf globale als auch auf deutsche, US-amerikanische und europäische Produkte.

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