Warum verlässt Flatex den deutschen Einlagensicherungsfonds?

Der bekannte deutsche Online Broker Flatex aus Kulmbach hat angekündigt, noch im Jahr 2015 den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. zu verlassen. In erster Linie sprechen Kostengründe und geringe Einlagen der Kunden für diesen schwerwiegenden Schritt.

Flatex gehört schon seit seiner Gründung im Jahre 2006 zu den bekanntesten deutschen Online Brokern, die ihren Kunden neben dem Wertpapierhandel auch das Trading von CFDs und Währungen ermöglicht haben. Bislang erfreute sich das deutsche Unternehmen einer großen Beliebtheit bei den Kunden, die dem Anbieter mit der zuverlässigen Regulierung durch die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihr Vertrauen geschenkt haben. Doch nun hat sich das Unternehmen zu einem großen Schritt entschlossen, der ihm eventuell einige Kundenkonten kosten könnte: Flatex wird den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. noch im Jahr 2015 verlassen.

Was genau hat es mit der Einlagensicherung auf sich?

Keine Bank und kein Broker sind vor einer Pleite gefeit, denn die Gründe dafür können vielfältig sein. Obwohl selbstverständlich gerade die Bankenchefs von einer Insolvenz stark getroffen werden, werden die Konsequenzen letztendlich auch für den Kunden spürbar, denn normalerweise wären die Kundengelder verloren – wäre da nicht die Einlagensicherung der Unternehmen.

Diese Einlagensicherung teilt sich auf zwei Bereiche auf: Die gesetzliche und die freiwillige Einlagensicherung. Die gesetzliche Einlagensicherung gehört für jeden Broker und für jede Bank innerhalb der EU zum Pflichtprogramm: Sie stellt eine Absicherung des Kundenkapitals im Falle einer Insolvenz des Unternehmens bis zu einer Höhe von 100.000 Euro sicher. Besonders kundenfreundliche Anbieter, welche die Gelder der Anleger bestmöglich schützen möchten, gehören darüber hinaus auch einer freiwilligen Einlagensicherung an, die beispielsweise durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. erfolgen kann. In diesem Fall werden die Einlagen der Kunden zusätzlich zur gesetzlichen Einlagensicherung durch einen Teil des Eigenvermögens des Unternehmens abgesichert. Wie hoch die Sicherungssumme dabei ausfällt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig – meist beläuft sich die freiwillige Einlagensicherung jedoch auf mehrere Millionen Euro.

Sichteinlagen bei der europäischen Zentralbank im Überblick

Die Sichteinlagen von Banken bei der europäischen Zentralbank von 2013 bis 2015 (Quelle: Statista)

Warum kehrt Flatex der freiwilligen Einlagensicherung den Rücken?

Kunden von Flatex können nur noch von der gesetzlichen Einlagensicherung von bis zu 100.000 Euro profitieren, da Flatex aus der freiwilligen Einlagensicherung durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. ausgetreten ist. Hierfür gibt das Unternehmen Kostengründe an: Frank Niehage, der Vorstandschef des Flatex-Mutterkonzerns FinTech Group gibt an, dass die Mitgliedschaft im Einlagensicherungsfonds nur viel Geld kostet, aber für 95 Prozent der Kunden keinen Nutzen mitbringt. Jährlich soll durch diesen Schritt nun rund eine Million Euro für die Mitgliedschaft im Bankenverband gespart werden.

Weiterhin bestätigte Niehage gegenüber der „Welt“, dass die Einlagen der Kunden sehr konservativ angelegt werden. Partner sind hierfür beispielsweise die Europäische Zentralbank, die einen Strafzins von 0,3 Prozent berechnet, wenn Unternehmen wie Flatex ihr Geld über Nacht bei der EZB „parken“ möchten. Diese Negativzinsen, die von der EZB berechnet werden, führen letztendlich zu weiteren Belastungen der Bank, die sich auf rund eine Million Euro pro Jahr belaufen. Gleichwertige Anbieter sind indes ebenfalls keine empfehlenswerte Alternative, da auch am Interbankenmarkt negative Zinsen vorherrschen. Die Konsequenz daraus ist, dass überschüssige Kundengelder erheblich dezimiert oder die Negativzinsen an den Kunden weitergegeben werden müssen – und da neben Flatex auch viele andere Finanzinstitute vor dieser Option zurückschrecken, hat sich das deutsche Unternehmen zu der drastischen Lösung entschlossen, aus dem Einlagensicherungsfonds auszutreten.

Welche Konsequenzen hat diese Entscheidung für den Kunden?

Selbstverständlich bleibt eine solche schwerwiegende Entscheidung auch für den Kunden nicht ohne Konsequenzen: Anleger, die ihr Geld in Aktien, CFDs, ETFs oder Währungen bei Flatex investiert haben, sollten sicherstellen, dass sich ihr Kapital maximal auf 100.000 Euro beläuft. Während sich die maximale Sicherungssumme zuvor nämlich auf 3,752 Millionen Euro belaufen hat, wird das Kapital der Kunden nunmehr lediglich bis zu einem Betrag von 100.000 Euro vor unverschuldeten Verlusten abgesichert. Überschüssiges Kapital kann beispielsweise bei einem anderen Anbieter angelegt werden. Alternativ dazu kann der Kunde selbstverständlich auch mehr als 100.000 Euro auf seinem Depot bei Flatex hinterlegen – allerdings werden Gelder, welche die Sicherungsgrenze übersteigen, im Falle einer Insolvenz des Anbieters zur Tilgung der Schulden genutzt und können vom Anleger nicht mehr gerettet werden. Da Flatex angibt, dass ohnehin die wenigsten Kunden mehr als 100.000 Euro auf ihrem Depot hinterlegen, sollte den Anlegern die Umstellung nicht schwer fallen. Beachtet man einige Sicherheitsvorkehrungen und beschränkt sich dabei nach Möglichkeit auf maximal 100.000 Euro im Depot, muss man als Kunde im Grunde keine weiteren Faktoren beachten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.