ETF-Strategien: Die Long-/ Short-Strategie

So lässt sich die Long-/Short-Strategie für den Handel von ETFs nutzen

Für Forex- und CFD-Trader gehört die Long-/Short-Strategie zum kleinen Strategien-1×1. Der Grund dafür ist simpel: Im Gegensatz zum Handel von Wertpapieren im Rahmen eines Depots gestaltet sich insbesondere der Leerverkauf von gehebelten Produkte als weitaus simpler. Trotzdem können Trader auch mit ETFs die Long-/Short-Strategie verfolgen, um beispielsweise durch das sogenannte „Shorten“ das Portfolio abzusichern. Allerdings sollten gerade unerfahrene Trader dabei einige Faktoren beachten, um negative Erfahrungen mit der Long-/Short-Strategie im ETF-Geschäft zu vermeiden.

  • Long-Positionen gehören von Grund auf zum ETF-Handel und bilden deshalb den Grundstein aller ETF-Strategien
  • Short-Positionen lassen sich im Alltag nur mit Vorsicht genießen, da sie mit komplexen Berechnungen einhergehen
  • Eine Short-Position wird ein nicht vorhandener ETF verkauft – dies wird auch als „Leerverkauf“ bezeichnet
  • Steigt jedoch wider Erwarten der Kurs des jeweiligen ETFs, muss der Anleger den Kaufpreis entrichten
Inhaltsverzeichnis

    1. Was steckt hinter der Long-/Short-Strategie für ETFs?

    Was hinter einer Long-Position steckt, sollte fortgeschrittenen Trader bereits bekannt sein: Der Händler setzt hierbei selbstverständlich auf steigende Kurse. Beim sogenannten „Shorten“ glaubt der Trader hingegen an einen Kursrückgang, weshalb er sein Geld in fallende Kurse investiert.

    Grundsätzlich können Händler an der Börse auf steigende oder auf fallende Kurse spekulieren. Obwohl eine längere Seitwärtsphase trotzdem nicht ausgeschlossen werden kann, zeichnen sich die Märkte grundsätzlich durch ein ständiges Auf und Ab der Kursverläufe aus. Trotzdem konnten Anleger bislang ausschließlich auf steigende Kurse spekulieren – und hieraus entwickelte sich schließlich die Long-Strategie als Basis nahezu aller gängigen Handelsstrategien. Der Trader geht hierbei beim Kauf einer Aktie oder eines Fonds automatisch von einem Anstieg der Kurse aus. Da jedoch die Vergangenheit gezeigt hat, dass auch lange Börsenphasen mit fallenden Kursen keine Seltenheit sind, erweisen sich solche einseitigen Anlagestrategien auf Dauer als bedenklich.

    ETF Long-/Short-Strategie

    Mittlerweile sind auch Short-Positionen auf ETFs möglich

    Um sich beide Möglichkeiten offen halten zu können, verfolgten die Anleger daraufhin immer häufiger auch die Short-Strategie, die in den USA bereits seit vielen Jahrzehnten möglich ist. Hierbei tätigen die Anleger zunächst einen Leerverkauf, indem sie Wertpapiere verkaufen, die sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht besitzen. Sollten daraufhin die Kurse steigen, müssen die Anleger die leer verkauften Aktien allerdings kaufen. In Deutschland ist der Leerverkauf nach wie vor ein exotisches Instrument, weshalb nur wenige Banken und Broker es ihren Kunden ermöglichen, auf fallende Kurse zu spekulieren. Neben Optionen, die von Privatanlegern jedoch nur schwer gehandelt werden können, ist die Short-Strategie gerade bei Optionsscheinen, Zertifikaten und auch bei ETFs sehr gefragt.

    Dabei basiert die Short-Strategie im Grunde auf einem einfachen Prinzip: Angenommen, der DAX ist am Ende des Handelstages um zwei Prozent gefallen. Hat der Anleger einen Short-ETF auf den DAX in seinem Depot, hat er einen Gewinn von zwei Prozent gemacht. Steigt der DAX allerdings um zwei Prozent, verlieren Sie mit Ihrem Short-ETF ebenfalls zwei Prozent, da sich der Short-ETF spiegelbildlich verhält.

    Bislang sind Anleger in erster Linie der Long-Strategie nachgegangen, indem sie auf steigende Kurse spekuliert haben. Seit einigen Jahren ist allerdings auch das „Shorten“ von Positionen möglich, bei denen Anleger auf fallende Kurse setzen. Verzeichnet ein ETF daraufhin tatsächlich Verluste, erzielt der Trader stattdessen damit Gewinne – dasselbe gilt jedoch auch umgekehrt.

    2. Hedging eines ETF-Portfolios mit der Short-Strategie

    Short-ETFs werden von Anlegern insbesondere dann gern und häufig verwendet, um ein Depot, das bereits deutlich gestiegen ist, gegen einen Kurseinbruch abzusichern. Solche Depotabsicherungen werden auch als „Hedging“ bezeichnet und stellen beim Wertpapierhandel seit jeher eine wertvolle Möglichkeit zur Absicherung eines Wertpapierdepots dar. Allerdings ist eine solche Absicherung in der Praxis nicht immer besonders einfach, da der Anleger beim Hedging die Zusammensetzung seines Portfolios beachten muss.

    Besteht das Portfolio nämlich in erster Linie aus DAX-Werten wie Daimler, BMW oder Siemens, kann ein Short-ETF auf den DAX den Anleger tatsächlich vor großen Verlusten bewahren. Besteht das Portfolio hingegen aus Aktien oder ETFS verschiedener Länder und Branchen, müssen die Positionen im Grunde einzeln abgesichert werden. In der Realität erweist sich dieses Vorhaben allerdings als nahezu unmöglich, da so viele unterschiedliche Short-ETFs nach wie vor nicht existieren, was im Übrigen auch für Zertifikate gilt.

    Pro und Contra:

    • Hohe Renditechancen und Gewinne bei steigenden Aktien sind möglich.
    • Langfristig sind höhere Renditen als bei anderen Anlageformen zu bekommen.
    • Jährliche Dividendenzahlungen sind ein Vorteil für Anleger.
    • Es gibt eine große Auswahl an den internationalen Märkten.

    • Verluste können bei fallenden Aktien hoch sein.
    • Es gibt keine feste Rendite wie bei Anleihen.
    • Man muss eine Abgeltungssteuer zahlen.

    Möchte man trotzdem dem Hedging nachgehen, muss man dabei beachten, dass ein Short-ETF selbstverständlich mit hohen Kosten einhergehen kann. Steigt das Depot nämlich stetig weiter, sinkt selbstverständlich der Kurs des Short-ETFs, was die Rendite schmälert. Ein hohes Maß an Sicherheit bedeutet deshalb immer eine geringere Rendite, während eine hohe Rendite mit einem hohen Risiko verbunden ist. Zu guter Letzt sollten Anleger darüber hinaus beachten, dass sich Short-ETFs in erster Linie für kurzfristige Absicherungen und für Short-Strategien eignen. Auf Dauer weicht die Wertentwicklung nämlich erheblich von der berechneten Entwicklung ab, da Short-ETFs börsentäglich die Wertentwicklung abbilden – und hier liegt bereits das größte Risiko der Short-Strategie.

    Die Short-Strategie eignet sich besonders gut zum Hedgen eines ETF-Portfolios. Hierbei wird ein wertvolles Portfolio durch eine Short-Position vor hohen Verlusten geschützt. Anleger müssen dabei jedoch beachten, dass auch das Hedgen bei steigenden Kursen hohe Kosten verursacht und dass man darüber hinaus auch den Short-ETF, der das Depot absichern muss, den vorhandenen Long-ETFs anpassen muss.

    Hedging mit der Long-Short-Strategie

    Die Long-Short-Strategie kann auch zum Hedging genutzt werden

    3. Risiken des Short-Handels von ETFs unter der Lupe

    Das größte Risiko der Short-Strategie ist die Tatsache, dass die Wertentwicklung börsentäglich abgebildet wird. Fällt der DAX beispielsweise am Montag um zwei Prozent, steigt er am Dienstag wieder um einen Prozent und fällt er am Mittwoch wieder um drei Prozent, würde er normalerweise bei minus zwei Prozent schließen. Da bei Short-ETFs die Bewertung allerdings börsentäglich neu erfolgt, unterscheidet sich die tatsächliche Wertentwicklung von der berechneten.

    Der Grund dafür sind Besonderheiten der Prozentrechnung. Um einen Kursverlust von 50 Prozent mit einem Short-ETF wieder auszugleichen, benötigt er einen Gewinn von 100 Prozent. Aufgrund dieser Besonderheiten der Prozentrechnung geben Shorts-ETFs und auch gehebelte ETFs leider nicht die tatsächliche Entwicklung eines fiktiven und fortlaufend berechneten Short-Index wieder. Bei einem Kursverlust von 90 Prozent ist schließlich ein Gewinn von 900 Prozent nötig, um überhaupt wieder das Ausgangsvermögen zu erlangen. Die goldene Regel lautet deshalb: Versuchen Sie nicht, Ihre Verluste auszugleichen, sondern vermeiden Sie sie stattdessen gleich von Anfang an. Zur besseren Übersicht finden Sie schließlich hier eine Tabelle, die deutlich macht, wie hoch ihr erforderlicher Kursgewinn bei einem Kursverlust sein muss, um ihr Ausgangsvermögen wiederherzustellen.

    KursverlustErforderlicher Gewinn
    5 Prozent5 Prozent
    10 Prozent11 Prozent
    15 Prozent18 Prozent
    20 Prozent25 Prozent
    25 Prozent22 Prozent
    30 Prozent43 Prozent
    50 Prozent100 Prozent
    75 Prozent300 Prozent
    90 Prozent900 Prozent

     

    Beim Hedging sollte unbedingt Vorsicht geboten sein

    Um hohe Verluste zu vermeiden, sollten Trader mit dem Hedging vorsichtig umgehen

    Das wohl größte Risiko, welches das Hedging mit einer Short-Strategie beinhaltet, ist die börsentägliche Berechnung der Kursentwicklung eines Short-ETFs. Um einen Kursverlust von 50 Prozent wieder auszugleichen, muss der Anleger deshalb einen Gewinn von 100 Prozent vorweisen können. Leider sind sich die wenigsten Trader dieser Tatsache bewusst, weshalb viele Short-Strategien auch im ETF-Geschäft von Vornherein scheitern.

    4. Fazit: Beim Shorten von ETFs ist Vorsicht geboten

    Die Long-/Short-Strategie gilt schon lange als Klassiker im Forex- und im CFD-Bereich – und langsam kann sie sich auch beim ETF-Handel etablieren. Während Long-Positionen hierbei schon immer die Regel waren, um mit steigenden Kursen Gewinne zu erzielen, können Trader mittlerweile durch Short-Positionen sogar von fallenden Kursen profitieren. Die Short-Strategie eignet sich deshalb besonders gut, um rentable Depots abzusichern – doch hierbei ist Vorsicht geboten. Da die Berechnung von Short-Positionen börsentäglich erfolgt, müssen Trader einen weitaus höheren Kursgewinn verzeichnen, um damit einen Verlust ausgleichen zu können. Darüber hinaus muss auch die Auswahl der Short-ETFs den Wertpapieren im Depot entsprechen, um überhaupt vom Hedging profitieren zu können. Aufgrund der hohen Risiken von Short-Positionen sollten Trader deshalb nicht versuchen, Ihre Verluste auszugleichen, sondern sie stattdessen von Vornherein zu verhindern.Teasergrafik_Content_Sparplan_v1

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