ETF Kontrahentenrisiko: Sind ETFs eigentlich sicher?

Kontrahentenrisiko bei synthetisch replizierenden ETFs wichtig

ETFs erfreuen sich seit einigen Jahren einer steigenden Beliebtheit, da sie zahlreiche verschiedene Vorteile mitbringen, von denen der Kunde profitieren kann. Das Risiko, das mit der Kapitalanlage in ETFs oder ETF Sparpläne einhergeht, wird dabei von Anlegern jedoch oft unterschätzt. Wir möchten deshalb hier speziell auf das Kontrahentenrisiko eingehen, das mit der synthetischen Replikation einhergeht und Ihnen verraten, wie Sie sich bestmöglich davor schützen können.

Fakten zum ETF Kontrahentenrisiko im Überblick

  • ETFs können entweder physisch oder synthetisch repliziert werden
  • Bei der physischen Replikation werden die Wertpapiere, die zum Index gehören, tatsächlich gekauft
  • Bei der synthetischen Replikation erfolgt der ETF-Handel auf Basis eines Tauschgeschäftes (Swap)
  • Da bei der synthetischen Replikation der Kontrahent für einen reibungslosen Handelsablauf verantwortlich ist, entsteht hierbei das Kontrahentenrisiko
  • Dieses ist jedoch auf 10 Prozent des Handelsvolumens begrenzt

Vorteile und Nachteile von ETFs unter der Lupe

ETFs erfreuen sich mittlerweile einer großen Beliebtheit – und das nicht ohne Grund: Sie bringen eine Vielzahl an großen Vorteilen für den Anleger mit, während sich die Nachteile in Grenzen halten. Zu den Vorteilen von ETFs gehört in erster Linie die transparente und attraktive Kostenstruktur: Provisionen oder Ausgabeaufschläge fallen weder beim eigentlichen ETF-Handel, noch bei der Investition in ETF Sparpläne an. Stattdessen beschränken sich die Kosten auf die Ordergebühren und teilweise auch auf eine geringe Verwaltungsgebühr – da der ETF-Handel jedoch nicht mit einem aktiven Management einhergeht, halten sich auch diese Kosten in Grenzen.

Neben den geringen Kosten gehört auch das hohe Maß an Sicherheit zu den Vorteilen von ETFs: Da sie zum Sondervermögen des Brokers gehören, werden sie im Falle einer Insolvenz des Unternehmens einfach an den Kunden herausgegeben. Auch ein hohes Maß an Transparenz gehört dabei nicht nur zum Umgang mit den anfallenden Gebühren beim ETF-Handel: Die Investition in ETFs selbst kann als äußerst transparent bezeichnet werden, da der Anleger in der Regel sehr genau weiß, in welche Wertpapiere er über seinen ETF investiert. Schließlich überzeugt auch die Risikostreuung die meisten Kunden: Insbesondere bei sehr breit aufgestellten Indizes wie dem MSCI World Index fällt der Kursabfall einer einzigen Aktie nicht sonderlich ins Gewicht, da sie von über 1.000 anderen Wertpapieren aufgefangen wird.

Die Nachteile von ETFs fallen dabei indes nur sehr gering aus. In erster Linie gehört selbstverständlich das Verlustrisiko zu den Nachteilen, die nicht nur mit ETFs, sondern mit Wertpapieren im Allgemeinen einhergehen. Darüber hinaus können sich einige Anleger zudem daran stören, dass ihnen beim Investment in ETFs keine freie Hand gelassen wird, da die Zusammensetzung der Wertpapiere vom gewählten Index abhängig ist und nicht eigenständig verändert werden kann. Zu guter Letzt gehört schließlich auch das sogenannte Kontrahentenrisiko zu den Nachteilen, die in erster Linie mit synthetisch replizierenden ETFs einhergehen.

ETF Kontrahentenrisiko

ETFs gehen mit niedrigen Kosten einher / © Mizianitka

ETFs zeichnen sich im Allgemeinen durch eine Vielzahl an Vorteilen aus: Nicht nur die transparente und attraktive Gebührenstruktur, sondern auch die breite Risikostreuung und die sichere Verwaltung im Falle einer Insolvenz als Sondervermögen sprechen für ETFs als zuverlässiges Investment. Allerdings dürfen Anleger dabei das Verlustrisiko nicht vergessen und zudem beachten, dass sie sich bei der Auswahl der Wertpapiere auf die zugrundeliegenden Indizes beschränken und keine individuelle Mischung zusammenstellen können. Schließlich spielt dabei auch das Kontrahentenrisiko eine Rolle, das jedoch nur bei synthetisch replizierenden ETFs von Bedeutung ist.

Die Replikationsmethoden im Detail

Interessierte Anleger haben sich vielleicht bereits das eine oder andere Mal gefragt, wie genau der Handel von ETFs eigentlich vonstattengeht. Tatsächlich gibt es auf diese Frage keine pauschale Antwort, da die Replikation von ETFs auf zwei verschiedene Arten vonstattengehen kann, die geringfügig voneinander unterscheiden.

Eine Möglichkeit ist die physische Replikation. Diese gilt mittlerweile als beliebter, weshalb einige große Anbieter bereits auf die physische Replikationsmethode umgestiegen sind. Bei der physischen Replikation werden die zugrundeliegenden Wertpapiere des ausgewählten Indexes tatsächlich vom Broker eingekauft und im Depot bis zum Zeitpunkt des Verkaufs verwahrt. Da diese Methode mit großem Aufwand verbunden ist, beschränken sich die meisten Anbieter darauf, nur „kleine“ Indizes anzubieten, die sich aus wenigen Wertpapieren zusammensetzen. Darüber hinaus werden die Kurse hierbei lediglich auf Basis der wertvollsten Wertpapiere abgebildet, die am meisten Einfluss auf den Kursverlauf des Indexes ausüben.

Neben der physischen Replikation wird auch die synthetische Replikation nach wie vor von einigen Anbietern verfolgt. Hierbei werden die zugrunde liegenden Wertpapiere nicht tatsächlich eingekauft, sondern der ETF-Handel geht stattdessen über ein Tauschgeschäft (Swap) vonstatten. Der sogenannte Swap-Kontrahent, der bei dieser Replikationsmethode eine wertvolle Rolle spielt, liefert dabei die Performance des entsprechenden Indexes gegen ein Entgelt. Da diese Methode im Vergleich zur physischen Replikation weitaus weniger aufwendig ist, können Anleger dank der physischen Replikation auch in besonders breite ETFs wie den MSCI World Index investieren.

Der ETF-Handel wird im Allgemeinen entweder durch die physische oder die synthetische Replikationsmethode ermöglicht. Bei der physischen Replikation werden die zugrundeliegenden Wertpapiere tatsächlich eingekauft, weshalb hierbei nur kleine Indizes wie der DAX gehandelt werden können. Allerdings wird hierbei teilweise trotzdem auf einige unbedeutendere Aktien verzichtet, um den Aufwand und die Kosten niedrig zu halten. Die synthetische Replikation beruht indes auf einem Tauschgeschäft mit einem Swap-Kontrahenten, der die Performance des Indexes gegen ein Entgelt liefert. Aufgrund des geringen Aufwandes können hierbei auch breite Indizes dargestellt werden.

ETFs können auf zwei verschiedene Arten repliziert werden

Es gibt zwei verschiedene Replikationsmethoden / © dawnfu

Was ist das ETF Kontrahentenrisiko?

Bei der synthetischen Replikation eines ETFs spielt das ETF Kontrahentenrisiko eine wichtige Rolle. Da hierbei die Performance nicht durch den tatsächlichen Einkauf der Wertpapiere aus dem Index erfolgt, sondern da sie vom Swap-Kontrahenten gegen ein Entgelt geliefert wird, wird die Indexreplikation komplett an diesen Swap-Kontrahenten übertragen. Durch einen möglichen Zahlungsausfall des Swap-Kontrahenten für Zahlungsverpflichtungen, für die keine Sicherheiten hinterlegt sind, entsteht daraufhin das Kontrahentenrisiko.

Allerdings ist dieses Kontrahentenrisiko dabei nicht unbegrenzt: Die Höhe eines maximalen Verlustes im Falle eines Zahlungsausfalls des Kontrahenten darf sich laut UCITS-Richtlinien auf bis zu 10 Prozent belaufen. Wird dieser regulatorische Grenzwert vom Swap-Wert erreicht, wird der Swap direkt zurückgesetzt, woraufhin keine offenen Forderungen mehr zwischen dem Fonds und dem Swap-Kontrahenten bestehen. Erfahrungsgemäß ist es dabei sehr selten, dass dieser Grenzwert tatsächlich erreicht wird – und für den Fall, dass dies eines Tages trotzdem geschehen sollte, werden von den meisten Kontrahenten verschiedene zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen verfolgt, die das Kapital des Kunden und der Bank schützen sollen.

Ein Zahlungsausfall des Swap-Kontrahenten kann gefährlich werden

Das Kontrahentenrisiko entsteht durch einen möglichen Zahlungsausfalls des Swap-Kontrahenten / © artbaggage

Da bei der synthetischen Replikation die Performance vom Swap-Kontrahenten gegen ein Entgelt geliefert wird, besteht die Gefahr, dass der Swap-Kontrahent eines Tages zahlungsunfähig wird und keinerlei Sicherheiten hinterlegt hat, welche eventuell anfallende Schäden auffangen könnten. Diese Gefahr wird dabei auch als Kontrahentenrisiko bezeichnet. Um dieses Risiko möglichst niedrig zu halten, ist das Kontrahentenrisiko auf 10 Prozent des Netto-Inventarwertes begrenzt. Wird diese Grenze erreicht, wird der Swap zurückgesetzt, woraufhin keine offenen Forderungen mehr zwischen Fonds und Swap-Kontrahenten bestehen. Darüber hinaus verfolgen die meisten Swap-Kontrahenten zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, um das Kapital der Kunden zu schützen.

Fazit: Das Kontrahentenrisiko darf nicht unterschätzt werden

Um den Handel der günstigen und transparenten ETFs zu ermöglichen, existieren zwei verschiedene Replikationsmethoden: Bei der physischen Replikation werden die zugrundeliegenden Wertpapiere tatsächlich eingekauft, was jedoch mit einem großen Aufwand verbunden ist und den Handel einiger Indizes unmöglich macht. Die synthetische Replikation basiert indes auf einem Tauschgeschäft mit dem Swap-Kontrahenten, was mit einem geringeren Aufwand, dafür jedoch mit einem höheren Risiko einhergeht. Sollte der Swap-Kontrahent nämlich zahlungsunfähig werden, sind auch die ETFs wertlos. Um dies zu verhindern, ist das Kontrahentenrisiko auf maximal 10 Prozent des Netto-Inventarwertes begrenzt und auch darüber hinaus werden zahlreiche andere Sicherheitsvorkehrungen unternommen, welche das Kapital des Kunden schützen sollen.Teasergrafik_Content_Sparplan_v1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.