ETF Öl – Hochspekulativ oder ein kalkulierbares Risiko?

Der unerwartete Preisabsturz lässt auf steigende Kurse hoffen

Der Öl-Preis ist innerhalb von einem Jahr rapide gesunken. Anleger und Investoren spekulieren darauf, dass die Preise nach dem steten Aufwärtstrend der letzten Jahre wieder in ihr altes Schema zurückfallen. Daher ist das Interesse am Öl-Geschäft derzeit besonders groß. Da es jedoch für die wenigsten Investoren möglich ist Öl in großen Mengen einzulagern, nimmt auch das Interesse an den Exchange Traded Products zu. Wie sich dieser Markt beim Geschäft mit Öl verhält, erfahre Sie bei ETFs.de.

Die wichtigsten Fakten zum Thema „ETF Öl“ im Überblick:

  • ETF Öl gibt die Wertentwicklung von Unternehmen und Rohölsorten wieder.
  • ETC Öl spiegelt die Preisentwicklung von Rohöl wieder.
  • Beim Handel mit Futures gibt es Rollverluste Cotango und Rollgewinne Backwardation.
  • ETFs können Long, Short und mit Hebel gehandelt werden.
  • Es sind Totalverluste, aber keine Nachschusspflichten möglich.
  • Die Preisentwicklung ist von zahlreichen Faktoren abhängig.

Wie funktioniert der Index-Handel mit Öl?

Bei Öl handelt es sich um eine Energieressource, welches den Rohstoffen zugeordnet wird. Demnach werden Exchange Traded Products, die sich mit Öl befassen den ETCs zugeordnet. Doch auch hier gibt es UCITS-konforme Konstellationen, die einen ETF-Handel von Öl ermöglichen. Öl-ETCs bilden die Preisentwicklung von Rohöl nach, während ETF Öl die Wertentwicklung der betrachteten Unternehmen in der Öl-Branche wiedergibt. Die Preisentwicklung der ETCs bezieht sich jedoch auf Terminkontrakte, auch Futures genannt. Die Zusammenhänge werden in dem Punkt „Wie entstehen Rollverluste?“ nochmal näher erläutert.

Im ETC-Handel mit Öl lassen sich zwei verschiedene Entwicklungen beobachten: Der Cotango und die Backwardation. Der Cotango entsteht, wenn die Preise steigen. Die Futures werden teurer eröffnet, als zuvor geschlossen. Das bedeutet, dass der Investor immer weniger Barrels für sein Kapital bekommt. Handelt es sich hingegen um eine Backwardation sinken die Preise und es können Rollgewinne generiert werden. Dabei erhält der Investor für dasselbe Kapital mehr Barrels. Ein Vorteil entsteht aber nur dann, wenn die Preise wieder steigen und der Investor bei Schließen der Verträge mehr Kapital zurückbekommt, als er eingesetzt hat.

Bei den ETFs gibt es die Möglichkeit den Handel mittels Long, Short und Leverage zu spezialisieren. Dabei wird mit Long auf eine positive Wertentwicklung und mit Short auf eine negative Wertentwicklung der Unternehmen oder Öl-Sorten spekuliert. Leverage kann mit „Hebel“ ins Deutsche übersetzt werden. Je nach Emittent sind so vielfache Gewinne des eingesetzten Kapitals, aber auch genauso hohe Verluste möglich. Grundsätzlich kann es sowohl bei ETFs, als auch bei ETCs zu Totalverlusten kommen. Eine Nachschusspflicht ist bei diesen Anlageprodukten allerdings ausgeschlossen.

Der ETC und ETF Öl-Handel kann über verschiedene Emittenten laufen und auch verschiedene Konstellationen zu Grunde legen. So gibt es ETFs, die die Wertentwicklung der großen Öl-Sorten WTI und Brent abbilden oder auch von den weiterverarbeitenden Unternehmen, wie zum Beispiel Lieferanten oder auch Tankstellen. Öl ETCs und ETFs sind bereits seit 2010 auf dem Markt, wurden aber erst in der jüngsten Vergangenheit populär.Bei den ETFs gibt es die Möglichkeit den Handel mittels Long, Short und Leverage zu spezialisieren. Dabei wird mit Long auf eine positive Wertentwicklung und mit Short auf eine negative Wertentwicklung der Unternehmen oder Öl-Sorten spekuliert. Leverage kann mit „Hebel“ ins Deutsche übersetzt werden. Je nach Emittent sind so vielfache Gewinne des eingesetzten Kapitals, aber auch genauso hohe Verluste möglich. Grundsätzlich kann es sowohl bei ETFs, als auch bei ETCs zu Totalverlusten kommen. Eine Nachschusspflicht ist bei diesen Anlageprodukten allerdings ausgeschlossen.

Der Index-Handel mit Öl lässt sich in ETFs und ETCs unterscheiden. ETFs bilden die Wertentwicklung der beteiligten Unternehmen ab. Hier kann Long, Short und mit Leverage gehandelt werden. ETCs geben die Preisentwicklung über den Handel mit Futures wieder. Hier sind Cotangos und Backwardations als Entwicklungen möglich.

Wie entstehen Rollverluste?

Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich bei Öl-ETFs um eine Abbildung der Preisentwicklung von Öl-Futures. Mit Futures wird festgelegt, dass eine bestimmte Ware zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis den Besitzer wechselt. Kurz vor Fälligkeit werden die alten Futures gegen neue getauscht. Hier kann es sein, dass aufgrund steigender Öl-Preise beim Tausch von fälligen Futures gegen neue Futures draufgezahlt werden muss.

Zur Verdeutlichung soll hier ein vereinfachtes Beispiel genannt werden:

Es werden Futures auf 1.000 Barrel Öl eröffnet, denn bei Futures handelt es sich nur um Verträge und nicht um den aktiven Austausch von Geld und Ware. Der Kurs beläuft sich auf 45 Euro je Barrel. Kurz vor Fälligkeit schließen wir unsere Futures für den aktuellen Kurs von 50 Euro je Barrel. Wir machen also 5.000 Euro Gewinn. Die nächsten Futures sind allerdings bereits auf 55 Euro je Barrel notiert. Dadurch können anstelle der 1.000 Barrel nur noch Futures über knapp 900 Barrel eröffnet werden. Nun müssen die Futures am Ende für mindestens 55 Euro je Barrel geschlossen werden um keine Verluste einzufahren.

ETF Öl

Die Entstehung von Rollverlusten und –gewinnen im Öl-Geschäft

Die Rollverluste entstehen in dem Moment, wo die neu erworbenen Futures teurer sind, als die alten Futures. Der Verlust in obigem Beispiel ist also bei dem Sprung von 50 Euro pro Barrel für die geschlossenen Futures und den 55 Euro pro Barrel für die neuen Futures entstanden. Sinkt der Kurs nun, fährt der Investor nicht nur diesen kurzfristigen Rollverlust, sondern auch einen Reinverlust am Ende der Investition ein. Handelt es sich nur um eine kurzfristige Kurssenkung, kann man ihn auch als Rollgewinn verbuchen und Futures für eine größere Anzahl an Barrels eröffnen.

Die Kunst im Öl-Handel ist es, genau zu wissen, wann man am besten einsteigt und wann es Zeit ist auszusteigen. Derzeit ist die Nachfrage aufgrund des eingebrochenen Öl-Kurses enorm hoch, da alle Anleger auf eine Erholung des Kurses spekulieren. Warum dies noch eine Weile dauern kann, erfahren sie im folgenden Abschnitt. Der Öl-Markt ist ein komplexerer Markt, als die meisten anderen Märkte, weshalb der gute Glaube in den Schweinezyklus oftmals nicht ausreicht.Die Rollverluste entstehen in dem Moment, wo die neu erworbenen Futures teurer sind, als die alten Futures. Der Verlust in obigem Beispiel ist also bei dem Sprung von 50 Euro pro Barrel für die geschlossenen Futures und den 55 Euro pro Barrel für die neuen Futures entstanden. Sinkt der Kurs nun, fährt der Investor nicht nur diesen kurzfristigen Rollverlust, sondern auch einen Reinverlust am Ende der Investition ein. Handelt es sich nur um eine kurzfristige Kurssenkung, kann man ihn auch als Rollgewinn verbuchen und Futures für eine größere Anzahl an Barrels eröffnen.

Rollverluste entstehen bei steigenden Kursen, wenn die geschlossenen Futures geringer notiert sind, als die nachfolgend zu eröffnenden. Rollverluste sind nur von kurzfristiger Natur, solange sich der Kurs auf dem steigenden Ast befindet. Daher sind Rollverluste eigentlich ein gutes Zeichen im Öl-Geschäft.

So funktioniert der Öl-Markt: Ein Erklärungsversuch

Seit Jahren ächzen die Verbraucher unter den immer teurer werdenden Öl-Preisen. Der stetige Anstieg der Benzinpreise rief sogar schon die Politiker auf den Plan. Die großen Ölkonzerne und Tankstellen mussten sich gegen den Vorwurf der Preisabsprachen wehren. Doch plötzlich und für die meisten unerwartet, brach der Preis ein. Die Benzinpreise sanken auf ein Rekordtief und die Ölbranche verfiel in eine Art Schock-Starre. Die Anleger witterten ihre Chance und investierten in den am Boden liegenden Öl-Markt. Aber wie funktioniert dieser Markt eigentlich? Wie konnte es zu diesem Preisverfall kommen und wann ist wieder mit einer Erholung zu rechnen?

Der Verfall des Ölpreises

Wie bei den meisten Dingen im Leben, lässt sich auch für den Verfall des Ölpreises nicht nur ein Faktor verantwortlich machen, sondern es ist ein Bündel an Faktoren, die direkt oder indirekt miteinander zusammenhängen. An dieser Stelle seien nur die offensichtlichsten Faktoren genannt. Dabei handelt es sich um

  • Das nachlassende Wirtschaftswachstum in China
  • Das stagnierende Wirtschaftswachstum in Europa, inklusive Griechenlandkrise
  • ein Überangebot an Rohöl in den OPEC-Staaten
  • der schwache Euro

China galt in den letzten Jahrzehnten als DIE Wirtschaftsmacht. China und die USA rangen lange um den Titel, doch schnelles Geld wurde bislang in China gemacht. Auch wenn man die Republik China mit kritischen Augen betrachtet, so kam man auf dem internationalen Parkett um Geschäfte mit diesem Wirtschaftsriesen nicht herum. Doch die Republik schwächelt. Das jährliche Wirtschaftswachstum verlangsamt sich und dies bekommen alle Branchen zu spüren, manche mehr, manche weniger.

Ein weiterer Grund liegt bei dem stagnierenden Wachstum in Europa. In den letzten Jahren gab es immer mehr Staaten, die sich unter den Euro-Rettungsschirm flüchten mussten. Jüngstes Beispiel ist die Staatspleite von Griechenland. Auch Italien ist nach wie vor am schwächeln. Großbritannien, Frankreich und Deutschland bilden dabei die wirtschaftsstärksten Staaten. Doch sie allein können die Bilanz vielleicht ausgleichen, aber nicht nach oben drehen. Daher ist hier der Bedarf gedeckt, kann aber nicht weiter ausgebaut werden.

OPEC steht für Organization of Petroleum Exporting Countries. Hier sind alle erdölexpandierenden Länder vereinigt. Diese Organisation hat es durch Investitionen und den Ausbau ihrer Fördertürme geschafft, das Angebot an Erdöl so auszubauen, dass die Nachfrage übertroffen wird. Während im Jahr 2014 täglich 91,44 Millionen Barrel an Erdöl benötigt wurden, förderten die OPEC-Staaten 91,96 Millionen Barrel Öl. Damit kommt es zu einem Überangebot an Erdöl. Bislang sind die OPEC-Staaten nicht bereit weniger zu produzieren.

Ein anderes Thema ist der schwächelnde Euro gegenüber dem US-Dollar. Die EZB versucht bereits verzweifelt die Deflation aufzuhalten, indem sie immer mehr Geld auf den Finanzmarkt fließen lässt und den Leitzins bei einem Rekordtief von 0,05 Prozent verharren lässt. Doch all dies scheint bislang noch keine Früchte zu tragen. Da Öl aber in US-Dollar gehandelt wird, haben zumindest europäische Anleger zusätzlich unter dem stetig schwächer werdenden Wechselkurs zu leiden.

Der Phoenix aus der Asche?

Doch es besteht noch Hoffnung, dass der Preis bald wieder ansteigen wird. Und genau darauf setzen die Anleger. Folgende Gründe kann es für einen Preisanstieg geben:

  • Streichung der Fördermittel
  • EZB-Maßnahmen zeigen Erfolge
  • Wirtschaftsanschwung durch Flüchtlingsströme in Europa

Zunächst kann man davon ausgehen, dass bei sinkenden Preisen die Fördermittel in den nächsten Monaten gestrichen werden. Diese Fördermittel werden unter anderem für Instandhaltungen, aber auch für den weiteren Ausbau von Öl-Plattformen benötigt. Bleiben die Fördermittel aus, kann auf Dauer nicht mehr so viel Öl gefördert werden. Dadurch geht das Angebot zurück, die Nachfrage bleibt und die Preise steigen wieder. In der Konsequenz dürften dann auch wieder die Fördermittel fließen um die Fördertürme Instand zu halten.

Außerdem ist anzunehmen, dass die Bemühungen der EZB um eine Stärkung des Euros irgendwann einmal Früchte tragen werden. Es bleibt zu hoffen, dass all die Maßnahmen nicht auf einmal ihre Wirkung entfalten und eine überdurchschnittlich hohe Inflation verursachen. In dem Moment, wo der Euro wieder mit den US-Dollar mithalten kann, sind ebenfalls Preissteigerungen zu erwarten.

Eine gewagte These ist, dass es aufgrund der Flüchtlingsströme, die über Europa einher fallen zu einem Wirtschaftsaufschwung kommt. Natürlich kosten diese Flüchtlinge in erster Linie Geld. Doch dieses Geld wird in die verschiedensten Wirtschaftszweige gesteckt, da neben dem Verwaltungsaufwand auch viele Konsumgüter, Wohnmöglichkeiten und Sanitäranlagen bezahlt werden müssen. Auf Dauer kann man aufgrund der menschlichen Ressourcen, die die Flüchtlinge an Qualifikationen und Arbeitskraft mit sich bringen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in Europa hoffen. Mehr Menschen brauchen von allem mehr! So kann dies in einer langen Kette von Zusammenhängen und Konsequenzen wiederum zu einem erhöhten Bedarf an Rohöl sorgen.

Daneben gibt es noch eine Reihe von Einflüssen und Faktoren, die auf den Weltmarkt und den Rohöl-Preis wirken. Einen einzigen Grund gibt es in diesem komplexen Geflecht des Marktes nicht. Bis sich der Markt wieder beruhigt hat und die Preise sich erholen, bleibt den Anlegern und Investoren nichts anderes übrig, als zur nächsten Tankstelle zu fahren und die niedrigen Benzinpreise zu genießen so lange es sie noch gibt.

Der Verfall des Rohöl-Preises kann in dem niedrigeren Wirtschaftswachstum von China und dem stagnierenden Wirtschaftswachstum Europas gesehen werden. Der schwächelnde Euro tut sein übriges. Zudem herrscht derzeit ein Überangebot an Rohöl auf dem Markt, welches nur durch die Streichung von Fördermitteln wieder zurückgehen wird. Es gibt zahlreiche Faktoren, die einen Preisverfall oder auch einen Aufschwung begünstigen.

Fazit: Hohes Risiko auf einem unruhigen Markt

Der Rohöl-Markt ist derzeit riskant wie nie. Jahrelang konnte man sicher auf einen Preisanstieg setzen, welcher sich zum Leidwesen der Verbraucher auch stets bewahrheitet hat. Doch gerade durch diese Kurseinbrüche erfährt der ETC- und der ETF Öl-Handel eine neue Popularität. Während beim ETC Öl auf den Preisanstieg des Ölpreises mittels Futures gesetzt wird, dreht sich der ETF Öl um die Wertsteigerung der Unternehmen oder Rohölsorten.

Bei ETCs besteht die Kunst darin den richtigen Moment abzupassen um aus dem Geschäft wieder auszusteigen. Im Future-Handel ist es normal Rollverluste einzufahren. Diese müssen durch steigende Kurse ausgeglichen und im rechten Moment geschlossen werden. Bei den ETFs kann auf Long oder Short gesetzt werden. Zudem ist auch der Handel mit Hebeln möglich. Während Totalverluste möglich sind, besteht keine Gefahr der Nachschusspflicht.

Die Gründe für eine Preisanstieg und –verfall auf dem Rohöl-Markt sind vielfältig und nur schwer benennbar. Eine umfassende Marktbeobachtung ist daher notwendig, die sich nicht nur auf ein Segment bezieht. Gerade dies macht es für Anleger besonders schwierig die richtigen Zeitpunkte zu erwischen und die tatsächliche Entwicklung vorher zu sagen.Teasergrafik_Content_Sparplan_v1

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